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10.04.2010 21:39 Uhr

Durch das Schicksal vereint

Claudia Barainsky Sopran
»Hochmut kommt vor dem Fall« heißt es in den biblischen Sprüchen Salomons - doch nach dem Fall folgt offenbar sehr schnell wieder der Hochmut. Der urmenschliche, immergleiche Zyklus von Ehrgeiz, Machtstreben, Macht erringen, Hybris und Absturz hat dem V. zeitfenster-Festival das Thema gegeben: »Fallstudien«. Denn: Ob durch Hochmut, persönliche Verfehlungen oder Schicksal - Geschichten von Aufstieg und Fall haben zu allen Zeiten Künstler inspiriert.

Unter dem Motto »Schicksalsmusik« verhelfen die Sopranistin Claudia Barainsky, das Vocalconsort Berlin und das Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Olof Boman den unterschiedlichsten musikalischen Stilen, Gattungen und Besetzungen zu einer Begegnung. Das Spektrum reicht von liturgischer Vokalmusik des 16. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Werken. Ein durchgehendes Motiv eint alle Musikstücke: die Annäherung an etwas, das der Mensch nicht beeinflussen kann. Man nennt es Schicksal.

Olaf Boman

Mit »Lontano«, seinem 2008 vollendeten Werk für gemischten Chor und Metronom, demonstriert der schwedische Komponist Martin Willert eindrucksvoll den - wie er selbst sagt - »Klang aus der Ferne« und zugleich seine Vision, dass »Musik eine Art strikter Fassade sei, kombiniert mit einer unglaublichen inneren Kraft, die die Oberfläche durchbricht.«

»La forza del destino« ist die wohl melodienreichste Oper Guiseppe Verdis. Neben großen Arien und Duetten, die mit ihren Kantilenen zutiefst berühren, vermittelt die Ouvertüre dem Zuhörer ein weites cinemascope-ähnliches Panorama.

Die »Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen« von Mauricio Kagel weisen bereits auf die ironische Intention des argentinischen Komponisten hin. Sie sollen in konzertanter Form niemals hintereinander gespielt werden. In Wahrheit entpuppen sie sich als Anti-Militärmusik, bei der die überwiegende Mehrheit der Musiker klassisch anmutende Militärmärsche spielt, während der jeweilige Rest des Orchesters als Störfaktor auftritt.

Das Werk »Miserere« des Kapellsängers Gregorio Allegri (1582-1652) ließ Rom-Reisende des frühen 18. und 19. Jahrhunderts in schwärmerische Verzückung geraten. Ausschließlich während der päpstlichen Karfreitagsliturgie in der Sixtinischen Kapelle dargeboten, galt die Komposition als reiner, melodischer und unnachahmlicher Klagegesang, bei dem der Zuhörer, so das »Magazin für Musik« (1783) glaubt, »die Chöre der Seligen zu hören«.

Persönliche Krisen, Konfrontation und die Annäherung an eine freie Atonalität spiegeln sich in den Werken »Entrückung« und »Friede auf Erden« des Komponisten Arnold Schönberg wider. Wie gelangt unsere Seele in himmlische Sphären und wie passt die weihnachtliche Verkündung eines Engels zu dem friedlosen Geschehen auf Erden?

»Immortal Bach« fächert den Bach-Choral »Komm, süßer Tod« (BWV 478) in verschiedene Zeitschichten auf. Das Werk von Knut Nystedt resultiert aus der Anwendung avantgardistischer Elemente in konzertanten sowie in liturgischen Werken, womit der Norweger für eine Erneuerung der Kirchenmusik seines Heimatlandes sorgte.

Dem Wunsch nach Besinnung, Ruhe und Frieden wird abschließend in zwei ganz unterschiedlichen Werken Ausdruck verliehen: 1585 entstand innerhalb einer Sammlung liturgischer Stundengebete die »Lamentatio prima secundi diei« des »Prince des musiciens«, Orlando di Lasso - das »Prelude for Peace« des zeitgenössischen polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki hingegen thematisiert den 70. Jahrestag des Überfalls Hitler-Deutschlands auf Polen.

MI 14.04.10 | 20.00 Uhr | Konzerthaus Berlin, Großer Saal

http://www.konzerthaus.de

11.04.2010 Bernhard Wiesbeck

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