Dabei beginnt die Geschichte für den Klavierschüler reichlich trocken: Tonleiterübungen auf den weißen und schwarzen Tasten stehen am Anfang, rauf und runter - bis die Fantasie dem Pianisten plötzlich durchgeht. Der Flügeldeckel springt auf, ein Junge und ein Mädchen springen heraus und fordern Geschichten von dem Übenden. Locken und necken ihn, erfinden Spiele und Nonsensreime. Das Klavier bekommt Flügel und entführt das Publikum gemeinsam mit dem Trio in Schumanns „Kinderszenen", 13 Stücke für Klavier, op. 15. Ein Mix aus Schabernack und Poesie entspinnt sich, immer mehr lässt sich das wohlerzogene Kind an seinem Instrument auf das kecke Spiel der beiden Fantasiewesen ein.
Schumann selbst wollte mit den 13 Klavier-Miniaturen „den Traum der eigenen Tage, die nun ferne sind" zurückrufen. Zugleich jedoch sind sie eine Hommage an das freiheitsliebende Kind der Romantik, das 1838, als die Szenen entstanden, schon längst in der biedermeierlichen Enge gefangen war.
Zusammengehalten werden die einzelnen Stücke dadurch, dass sie auf ein Grundmotiv bezogen sind, mit dem schon die erste Miniatur „Von fremden Ländern und Menschen" beginnt. Am Ende dann, nach der Tour durch die verlorenen Paradiese der Erwachsenen, ziehen sich die beiden Fantasiewesen wieder ins Klavier zurück, wenn es zu Beethoven-naher Ausdrucksmusik heißt: „Der Dichter spricht". Die „Kinderszenen" sind eben mitnichten ein Vorführen der lieben Kleinen bei Sport und Spiel, sondern ein poetischer Spiegel dessen, was in romantischer Verklärung die Kindheit war.
Zu sehen am 14., 15, 21. und 22. November um jeweils 15.30 Uhr sowie am 17. und 18. November jeweils um 11 Uhr im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin, für Kinder ab 8 Jahren. Und ein guter Einstieg ins Schumann-Jahr 2010 zum 200. Geburtstag des Maestros.