Monumentale Innerlichkeit mit Schönbergs Gurre-Lieder
In ihrem ersten Leben waren die »Gurre-Lieder« als klavierbegleiteter Liederzyklus konzipiert. Dann addierte Arnold Schönberg fünf Sänger, einen Sprecher, drei Chöre und ein gigantisches, etwa aus 150 Musikern bestehendes Orchester aus acht Flöten, drei Oboen, zwei Englischhörnern, sieben Klarinetten, fünf Fagotten, sechs Hörnern, vier Wagnertuben, sieben Trompeten, sieben Posaunen, einer Kontrabasstuba, vier Harfen, einer Celesta und umfangreichem Schlagwerk. Da mag die Frage erlaubt sein: Warum?
»Die ›Gurre-Lieder‹ von Arnold Schönberg stellen zweifellos der Kulminationspunkt der Spätromantik dar, in dem auf komplexe Weise die musikalischen Mittel der Zeit ins Kolossale gesteigert sind«, erklärt Chefdirigent Lothar Zagrosek, der die beiden Abende im Konzerthaus leitet. Der Aufwand diene »bei aller scheinbaren Übersteigerung der Mittel nicht nur einer äußerlichen Klangballung, sondern führt zu einer monumentalen Innerlichkeit.«
Schönberg fasst hier zusammen, was musikalisch zu seiner Zeit überhaupt möglich war. Mit dieser »Zukunftsmusik« stößt er die Tür weit auf für die Musik des 20. Jahrhunderts. Erstaunlich dabei ist, dass die brillante, hochkomplexe Partitur und deren überragende Wirkung jede einzelne Stimme dieser Werk-Kathedrale rechtfertigt. Das Konzerthausorchester Berlin wird bei diesem gigantischen Kraftakt unterstützt vom Rundfunkchor Berlin, dem Estnischen Nationalen Männerchor und den Damen des Prager Philharmonischem Chors, einem exquisiten Gesangsquintett und dem wunderbaren Udo Samel, der die tragische Geschichte von König Waldemar auf Schloss Gurre erzählt - eine Geschichte, die mit ihren Motiven Liebe, Liebestod, Reinigung und Auferstehung ein zeittypisches Kompondium exponiert. Ein in jeder Hinsicht lohnender Aufwand!
Monumentale Innerlichkeit: Schönbergs »Gurre-Lieder«
SA 12.06.10, 20.00 Uhr | SO 13.06.10, 16.00 Uhr | Konzerthaus Berlin, Großer Saal
04.06.2010 Bernhard Wiesbeck
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