Ein Dirigent soll nur in Ausnahmefällen bei komplexeren Werken - mit ins Boot geholt werden. In der Regel bleiben die Musiker aber unter sich. Das steigert, nach Aussage von Solo-Hornist Dmitry Babanov, die Verantwortung der Mitglieder gegenüber der Musik und den Mitspielern. Selbstbestimmung, sei es bei der Wahl des Programms oder der Auswahl von Solisten, ist den Musikern enorm wichtig.
Das Programm präsentiert sich als kurze, aber äußerst interessante musikgeschichtliche Reise: Über die „Experimentalstudien" der Vorklassik geht es zu den ersten Meisterwerken der Wiener Klassik. Das Ziel der Reise ist mit Mozarts Sinfonie A-Dur KV 201 erreicht. Diese Sinfonie zählt heute noch zu den beliebtesten Werken des Genies - wobei seine Zeitgenossen sie eher als leicht chaotisch empfanden. So schrieb die Leipziger „Allgemeine Musikalische Zeitung" seinerzeit: „Mozarts Symphonien (...) sind an Tendenz und Geist den Quartetten ähnlich, nur noch freier, noch kühner, noch reicher, noch energischer - aber auch hin und wieder noch wilder, schneidender, drückender."
Einen starken Einfluss auf den jungen Mozart übte Johann Christian Bach aus. Während Mozarts Aufenthalt in London wurde dieser zu einer entscheidenden Lehrer- und Förderpersönlichkeit. Als Opernkomponist in Italien und Konzertagent in London mit Fortune bedacht, war Johann Christian unumstritten der erfolgreichste der Bach-Söhne. Er wurde zu einem wesentlichen Wegbereiter des neuen Sonaten-Stiles, dessen Vollendung bei Mozart, Haydn und Beethoven zu finden ist. Mit seiner Sinfonie g-Moll op. 6 Nr. 6 wird das Konzerthaus Kammerorchester den Abend eröffnen.
Auch Carl Philipp Emanuel Bachs Werke stellten sich als stilistisch wegweisend für die nachfolgende Generation dar. Es ist bekannt, wie intensiv sich etwa Joseph Haydn mit dessen Schaffen auseinandergesetzt hat. C. P. E. Bachs Oboenkonzert, mit seinem empfindungsvollen Adagio, wird durch die Solooboistin Michaela Kuntz interpretiert.
Eine exponierte Stellung nimmt das Adagio auch in Joseph Haydns 1762 geschriebenem Hornkonzert D-Dur ein. Es ist der Höhepunkt des Werkes - hier werden dem Solisten auf engstem Raum heikle Registerwechsel von der Basslage bis zu den Höhen der Melodieführung abverlangt. Der Solo-Hornist des Konzerthausorchesters, Dmitry Babanov, der sich „mit flexibler Tongestaltung in jeder Situation dem Gesamtklang" anpasst (so das Fachmagazin „das Orchester" in einer Mozart-Rezension), wird sich dieser Aufgabe stellen.