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24.01.2011 15:09 Uhr
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Drei Groschen Songs

In einer interessanten Bearbeitung wurde jetzt in der Christuskirche in Eislingen die immerwährende Aktualität der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill unter Beweis gestellt. Brecht wollte keine großen Gefühle auf der Bühne und im Zuschauerraum nicht den Kunstgenießer, der nach der Vorstellung moralisch erhoben nach Hause geht.

Stattdessen appellierte der große Dramatiker an den Verstand, und um den Theaterbesucher davor zu bewahren, sich von der Handlung fortreißen zu lassen, sollte der Kunstcharakter und auch die Künstlichkeit der Vorführung offen zutage treten. Die Verortung im Gangstermilieu und die Ersetzung von Charakteren durch Typen erzeugt eine Abstraktheit, durch die die Dreigroschenoper seit der Uraufführung nie an Aktualität verloren hat.

Und so, wie das theatralische Musikprojekt "Drei Groschen Songs", das die Jazzsängerin und Stimmtrainerin Karoline Gilbert, der Theaterpädagoge Thomas Faupel sowie Sänger, Schauspieler und Musiker aus der Region in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und der Kirchengemeinde jetzt in der Eislinger Christuskirche in den Altarraum brachten, wirkt sie in Zeiten völlig undurchschaubaren und grenzenlosen Gewinnstrebens sogar ganz frisch.

Die Regie Faupels setzte auf sparsame Mittel und wurde dadurch der Brechtschen Dramaturgie auf schlüssige Weise gerecht: eine dicke Schicht weißer Schminke ließ die Gesichter zur Maske, der grelle Lippenstift die Mimik zur Grimasse werden; und die Sänger machten das Personal zu Idealtypen. Mackie Messer war ein Krimineller wie aus dem Lehrbuch, Polly die beispielhaft naiv Liebende, Jenny die plumplaszive Hure, und die Miene der beiden Peachums, die das Mitleid der Menschen zur Geschäftsgrundlage gemacht haben, starr wie ein Stein.

Die schwarz-weiß-rote Optik und die Statik der Szenen betonten das bewusst Holzschnittartige der Inszenierung, welche die immerwährende Frage nach der Rangfolge von Fressen und Moral, von Ökonomie und Mensch stellte. Gilbert ließ den unbestechlichen Charme der Weillschen Songs nicht ins Unendliche wuchern, sondern hatte sorgfältig deren Doppelbödigkeit herausgearbeitet. Schon die Ouvertüre mit Klavier und Kontrabass klang vielversprechend dissonant, die Moritat von Mackie Messer scharf wie ein Haifischzahn, und das Liebeslied zu scheppernd, um wahr zu sein. Zu richtig großem Theater geriet das Projekt im Eifersuchts-Duett von Olly und Jenny.

Wie sich die beiden ihre Eifersucht gegenseitig ins Gesicht schleuderten, hatte schon Klasse.

 

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