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08.06.2011 18:22 Uhr
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Geschichte der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH

Die Erzgebirgische Philharmonie Aue und das Eduard-von-Winterstein-Theater sind traditionsreiche Kultureinrichtungen und seit über 120 Jahren feste Bestandteile der Kulturlandschaft im Erzgebirge. Dies wird immer wieder bestärkt, indem Gastspiele und Abstecher im gesamten Erzgebirge, aber auch über die Landesgrenzen hinaus stattfinden.



Große Unterstützung erfährt die Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH durch das bürgerschaftliche Engagement und die Lobbyarbeit der vielen Mitglieder des Vereins „Freunde und Förderer der Erzgebirgischen Philharmonie Aue", des Theaterfördervereins und der Erzgebirgischen Theater- und Orchesterstiftung (kurz: ETHOS).

Der neue Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen fördert die Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH. Auch die Städte Annaberg-Buchholz und Aue sind Förderer des Theaters und der Philharmonie.

Geschichte der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH

Die Erzgebirgische Theater und Orchester GmbH wurde am 17. 06. 1997 gegründet und betreibt sowohl das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz als auch die Erzgebirgische Philharmonie Aue. Die oben genannte GmbH ist das Ergebnis der Strukturveränderung im Kulturraum Erzgebirge in den Jahren 1996 und 1997. Die Mitglieder des Kulturraumes Erzgebirge stellten Anfang 1996 fest, dass die bestehende Struktur im Theater- und Orchesterbereich auf Dauer nicht finanziert werden konnte. Damals gab es sowohl das Erzgebirgische Sinfonieorchester Aue e. V. mit 35 Planstellen als auch das Orchester des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg mit ebenfalls 35 Planstellen. Eine vom Arbeitskreis "Strukturveränderung" erarbeitete Analyse ergab, dass ein Orchester mit 50 Planstellen in der Lage ist, die Aufgaben der beiden Orchester im Kulturraum Erzgebirge zu erfüllen. Zu diesem Zweck wurde allen Musikern in beiden Orchestern gekündigt. Nach Erhebung von Kündigungsschutzklagen haben sich die Rechtsträger beider Orchester mit über 20 Musikern einvernehmlich geeinigt, so dass die Erzgebirgische Theater und Orchester GmbH durch den Kulturraum Erzgebirge als alleinigen Gesellschafter am 17. 06. 1997 gegründet werden konnte. Im Laufe der Strukturveränderung hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass die Betriebsform GmbH auch für das Theater sehr gut geeignet ist, um es effizient und wirtschaftlich zu führen. Die Integration des Eduard-von-Winterstein-Theaters, das bis zu diesem Zeitpunkt als Eigenbetrieb des Landkreises Annaberg geführt wurde, erfolgte zum 01. 01. 1998.

Historie des Eduard-von-Winterstein-Theaters

Am 02.04.1893 wurde das heutige Eduard-von-Winterstein-Theater als erstes Theater im Erzgebirge mit einer Festaufführung von Goethes „Egmont" feierlich eröffnet. Die Titelrolle spielte Eduard von Winterstein. Der erste Intendant, Georg Kurtscholz, betrieb das Theater als Pächter in Spielgemeinschaft mit dem Fürstlichen Hoftheater Gera. 1907 wurde Carl Greiner neuer Theaterpächter, der das Haus zusammen mit dem Stadttheater Zittau leitete. Nach dem I. Weltkrieg übernahm die Stadt 1919 das Theater. Intendant wurde Hans Heinz Kämpff, der ein eigenes Ensemble aufbaute und versuchte, ein obererzgebirgisches Städtebundtheater zu organisieren. Als Folge der Weltwirtschaftskrise wurde das Theater 1931 an Helmut Freiberg verpachtet. Wegen der wirtschaftlichen Probleme drohte im Folgejahr erneut die Schließung des Hauses, die nur durch eine Notspielgemeinschaft arbeitsloser Künstler abgewendet werden konnte. 1933 erfolgte die Wiedereröffnung unter faschistischer Regie als „Grenzlandtheater Obererzgebirge". Als Folge der Annexion des Sudetengebietes wurde das Theater 1939 in „Landestheater Obererzgebirge" umbenannt. Am 01.09.1944 erfolgte die Schließung des Hauses als Konsequenz aus dem Ausrufen des „totalen Krieges". Bereits im Mai 1945 gaben jedoch Annaberger Künstler im unzerstört gebliebenen Theater wieder Konzerte. Die erste Nachkriegsspielzeit begann am 29.07.1945 mit Schillers „Kabale und Liebe". Von 1976 bis 1981 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion des Stammhauses in Annaberg. Am 07.10.1981 wurde das neue Haus als „Eduard-von-Winterstein-Theater" mit Lessings „Emilia Galotti" wieder eröffnet. Nachdem 1992 ein neues Werkstatt- und Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen werden konnte, wurde im Sommer 1993 das nunmehr 100-jährige Gebäude des Theaters erneut umfassend renoviert. Das Theater verfügt jetzt über 295 Sitzplätze und eine Studiobühne mit max. 57 Plätzen. 1998 wurde das Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters in die Ergebirgische Theater- und Orchester GmbH integriert, in der gegenwärtig 151 Mitarbeiter beschäftigt sind. Im Eduard-von-Winterstein-Theater werden in den Sparten Musiktheater und Schauspiel jeweils 5-6 Neuproduktionen pro Spielzeit auf der Hauptbühne erarbeitet. Zusätzlich finden Inszenierungen auf der Studiobühne statt.



Erzgebirgische Philharmonie Aue

Das Erzgebirgische Sinfonieorchester Aue ist seit 120 Jahren fester Bestandteil der Sächsischen Kulturlandschaft. Im Jahre 1888 als „Städtisches Musikcorps" unter der Leitung von Anton Zien gegründet, entwickelte sich der Klangkörper zum Erzgebirgischen Sinfonieorchester Aue. Als Gastdirigenten wirkten u.a. Prof. Rudolf Neuhaus, Hans- Dieter Frank und Dieter Gerhard Worm. Namhafte Solisten wie der Violinist Igor Oistrach oder die Tenöre Richard Tauber, Peter Schreier und René Kollo waren Gäste des Orchesters.

Seit 1990 wurde zunehmend eine enge Kooperation mit dem Orchester des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg praktiziert, um auch anspruchsvolle Sinfonik größerer Dimension aufführen zu können. Im Juni 1997 erfolgte mit der Gründung der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH die Fusion der beiden Orchester, die seitdem alle Musiktheateraufführungen am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz bestreitet. Darüber hinaus reicht das Spektrum des Klangkörpers von Serenaden-, Opern-, Operetten-, und Chorkonzerten bis zur Kammermusik und zu Schülerkonzerten. Hinzu kommt die Mitwirkung bei Kirchenkonzerten sowie eine vielgestaltige Zusammenarbeit mit Musikschulen und Musikhochschulen. Der neue Chefdirigent Richard Vardigans bewältigte in diesen Jahren nicht nur die technische Fusion der beiden unterschiedlichen Orchester, sondern verstand es auch, einen homogenen Klang zu erzeugen. Seit 2004 ist Naoshi Takahashi amtierender Chefdirigent, seit 2006 ernannter Generalmusikdirektor. Im darauffolgenden Jahr wird das Orchester dank seiner außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen in „Philharmonie" umbenannt.

Vielversprechende Entwicklungen gibt es seit dem Antritt GMD Takahashis auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendförderung. Markant ist auch die deutliche Professionalisierung und verbesserte Ausformung des Orchesterklanges. Die Gewinnung von herausragenden Gastsolisten macht die Philharmonie zu einem Magneten für junge Musikliebhaber. So zum Beispiel Geiger und Dirigent Torsten Janicke, Schakuhachi-Spieler Kaoru Kakizakai, die Pianisten Joseph Moog, Alexander und Christian Meinel und Eugéne Mursky, der Dirigent Koji Kawamoto und Violoncellist Rodin George Moldovan- nur um einige der Ausnahmetalente zu nennen.
Weit über die Landesgrenzen hinaus gefeierte Konzerte, wie jenes zusammen mit den Regensburger Domspatzen im Jahr 2007, Open Air Aufführungen, Konzerte für japanische Instrumente wie die Koto, einprägsame CD- Produktionen wie der Mitschnitt des Robert-Schumann-Konzertes im Jahr 2006 oder die vielfachen gemeinsamen Konzerte mit international gefragten Künstlern und Dirigenten, beweisen das hohe Niveau und die Weltgewandtheit der Erzgebirgischen Philharmonie.

Info unter:
http://www.winterstein-theater.de

08.06.2011 Bernhard Wiesbeck

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