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19.02.2010 18:53 Uhr
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Überfall bei Galerie Gerken Berlin

Die Tür ist verschlossen. Kein Mensch zu sehen. Ohne Voranmeldung, einfach mal in die heiligen Kunsthallen der Galerie Gerken in Berlin eindringen und sich ungeniert umsehen. Zwei Damen in Jeans tauchen oben an der Wendeltreppe auf. Die Situation eskaliert, als die Tür aufgeht und tatsächlich beginnt jetzt ein ungeplanter Überfall.

Ausstellungswechsel, ein Tag vor der Vernissage. Ein Bohrer und Kabel auf dem Boden, ein Maßband als Markierung im Raum. „Wir haben geschlossen!" „Das macht nichts!" Weiße hohe Wände, viel Licht über die vordere und hintere Fensterfront. Kein Schnickschnack, kein Krempel, keine Unordnung - nur Kunst.

„Wer sind Sie?" „Journalist. Wenn ihr mich rein lasst schreibe ich einen Artikel über euch." „OK, kommen Sie rein." „Sind Sie die Künstlerin?" „Claudia Weber. Hallo." „Ich bin Tanja Gerken, die Galeristin".

Die Bilder sind ästhetisch unästhetisch. Schöne Farben, nicht kitschig. „Ist das Öl?" „Ja. Sieht auf den ersten Blick nicht so aus, ist es aber." „Wo bekommt man die Inspiration für solche Motive?" „Japan. War dort 3 Monate. Hab gemalt. Die lokalen Comics haben mich fasziniert." „Ah, die Mangas." „Ist das Bambi?" „Ja. Ich will sie durchsichtig darstellen, so dass man den 3 dimensionalen Raum erkennt."

Die Bilder erschrecken nicht, wenn man sieht wer sie gemalt hat. Es ist viel Unschuldiges, Unvollkommenes in ihnen. Das Wort zärtlich kommt hoch. Es sind doch Skelette. Es ist, ja es muss eine Offenbarung sein, Offenheit, Verletzlichkeit und ja keine Apokalypse, dazu wäre die Künstlerin nicht fähig, das will man ihr einfach nicht unterschieben. Das Ende der Kindheit, die Märchen halb vergessen, verrottet in der Vergangenheit, nur noch schemenhaft im Gedächtnis. Ein Losreißen von Strukturen, Offensichtlichem.

„Die Objekte im Raum sind von Hans Kohl" Ich kriege einen Katalog, einen Jahreskalender und eine Einladungskarte für die Vernissage in die Hand gedrückt. Noch ein letztes Foto der beiden Damen, dann verschwinde ich mit der Feststellung: Der Überfall hat sich gelohnt.

Vernissage: Freitag 19. Februar 2010, 19 Uhr
Ausstellungsdauer 20.02.2010 bis 19.03.2010
Galerie Gerken, Auguststraße 49, 10119 Berlin.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 12:00 - 18:00 Uhr

Ein kleiner Nachtrag. Ein Bild beider Künstler in der aktuellen Ausstellung, das uns gerade erreichte.

Informationen: http://www.galerie-gerken.de

19.02.2010 Bernhard Wiesbeck

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