Das Weiße Haus wird zum Streichelzoo
Drei Tage lang befasste sich die 1. Internationale Demokratiekonferenz am vergangenen Wochenende in Leipzig mit dem Werden und Wachsen der deutschen und europäischen Einheit nach dem „Wind of Change" von 1989 und den damit verbundenen Demokratieprozessen. Im Centraltheater Leipzig spinnt man diesen Faden weiter. Nicht nur auf sämtlichen Bühnen mit entsprechenden Stücken, sondern auch mit Specials wie der „Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck" oder einer „Philosophischen Praxis" - und das „Weiße Haus" wurde in eine Art Streichelzoo verwandelt, für Demokratie zum Anfassen.
Vor knapp einem Jahr startete das „Weiße Haus" gleich gegenüber der Theatergaststätte „Pilot" mit einem reizenden und anregenden Weihnachtsprogramm. Es entstand insgesamt ein interessantes und die Kommunikation förderndes Kulturgehege. In diesem hat Chefdramaturg Uwe Bautz unter dem Motto „Ran ans System" nun ein Wesen angesiedelt, das sich selbst „Öff!Öff!" nennt und mit dem das Thema Demokratie unmittelbar greifbar und gestaltbar werden soll. Innerhalb des Geheges, aber auch freilaufend in der Innenstadt sind mancherlei Berührungspunkte beabsichtigt.
Dabei geht es nicht zuletzt darum, Fragen zu stellen - und dabei möglichst verstörende Fragen. Oder Antworten auf verstörte Fragen zu finden. Immer rund ums System, in dem wir leben, denn gerade die Auseinandersetzung damit ist entscheidend für die Gestaltung der Zukunft. Dabei ist nicht allein das System als Ganzes bedeutsam, sondern zudem in seinen unterschiedlichen Teilen, zu denen auch jeder Einzelne als Individuum gehört.
Das alles wird verbunden mit der Hoffnung einer Sensibilisierung aller Beteiligten für die Unterscheidung des Wirklichen vom Wahren. Also - vereinfacht gesagt: Die Wirklichkeit kommt aus dem Tun, das Wahre aus dem Glauben und dem Vertrauen. Es gibt viel zu tun, und „Öff!Öff!" packt es an.
H.G.
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