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23.06.2011 09:03 Uhr
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Die Geschichte des Eies, oder Eier die Geschichten erzählen

Sie schreibt, sie denkt und sie hat das Ei neu erfunden, die Künstlerin Cosia Immerscheen. Sie hat etwas genommen, was wohl jeder kennt. Ein Jeder hat es schon roh, gekocht oder gebraten gesehen. Aber noch Niemand hat gesehen, welche Geschichten in einem Ei stecken. Mit Ihren grafischen, fotografischen Bildern, gibt sie den Eiern die unterschiedlichsten Gesichter und bringt sie zum Sprechen.

Manchmal reden die entstandenen Bilder von alleine, manchmal fügt sie Texte oder Gedichte hinzu. Texte die an Heinz Erhardt erinnern und zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Cosia Immerscheen erweckt die Eier zum Leben. So laden ihre Eier auch Besuch ein, ein Beispiel: "Ein Ammonit (A) und das Ei begegnen sich in der Bratpfanne A - Vielen Dank für die Einladung in deine Bratpfanne. Ei - Oh bitte, das war überfällig, gern geschehen. Schließlich sind wir beide fossilienhaft, findest Du nicht? Ich wollte das schon lange mal sagen... in gewisser Weise war es Sehnsucht... A - Das leuchtet mir auf den ersten Blick nicht ein. Ei - Ist es dir auch nicht zu heiß, mein Lieber? A - Nein, sprich weiter, wie sollte es mir jemals zu heiß werden können! Ei - Also, du bist ein Fossil, das die Menschen als Fossil erkennen. Ich dagegen bin ein ewiges Fossil, das die Menschen nicht erkennen! A - Wie das? Ei - Na hör mal, in mir ist alles von Anbeginn an. Ich bin urzeitlich von Anbeginn. Ich bin nicht nur Abdruck des Lebens! Ich bin das Leben! A - Ich liebe selbstbewusste Eier! Aber ihr seid immer wieder neu und frisch! Ei - Siehste, das gerade ist das Spannende. Wenn wir den Menschen klarmachen könnten, was für alte Modelle sie eigentlich sind, baumeistermäßig betrachtet, die halt immer wieder nur aus frischen Eiern wachsen... A - Jetzt muss ich lachen. Liegt hier in der Pfanne und macht Witze und wird demnächst von so einem lebendigen, alten Fossil namens Mensch verspeist! Ist das nicht traurig? Ei - So ist es eben. Du bleibst ewig, wie Du bist. Ich komme und vergehe ewig, wie ich bin. Der Mensch ist ein komisches Wesen. Du wirst ihm nie klarmachen können, in welch wichtiger Beziehung sich unsere Bratpfannenexistenz zum Wesen seines Seins befindet. A - Du meinst, das Fossil frisst das Fossil und weiß es nicht! Ich muss lachen! Ei - Spürst du schon das heiße Fett unter Deinem Hintern? A - Es fühlt sich nicht unangenehm an. Ei - Wir wissen, wie angenehm die Bratpfanne des Lebens ist! A - Du darfst keine zu hohen Anforderungen stellen. Nicht alles passt so gut zusammen wie wir beide. Ei - Ich könnte mir jetzt vorstellen, dich zu küssen. Ich glaube, ich könnte dich auch lieben. A - Bitte, ich habe nichts dagegen. Ei - Komm, lass und die Zeit genießen, die uns noch bleibt... Wir verlassen jetzt die Bratpfanne, denn wir sind diskret. Die ganze Schönheit und Tragik dieser Liebesgeschichte soll sich nicht unter unseren Augen abspielen."

Neben solchen Bildern mit Texten, fängt sie auch manchmal die Eier in der Bratpfanne einfach nur fotografisch ein und eröffnet durch ihre grafische Nachbearbeitung dann eine ganz neue Sichtweise auf das Ei. Wer wusste schon, dass die Maske von Dark Vader auch mal in seiner Pfanne lag?

Mehr Infos findet man unter: http://eggart.eu

Axel Flitsch

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