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16.03.2011 09:29 Uhr
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Werke zwischen politischer Kunst und Kindergarten

Als sein Enkel Marco im Kindergarten Kunst als Thema hatte, da wusste Rolf-Werner Sauerwein noch nicht, was auf ihn zukommen würde. Erst korrigierte Marco die Erzieherinnen: "Das heißt nicht Ausstellung, sondern Vernissage" und dann meinte er "Mein Opa ist auch Künstler". Pech für den ehemals gelernten Architekten und Künstler. Oder Glück.

Er durfte dann in den Kindergarten. Auf einer Hängematte schaukelnd, den Pinsel in der Hand, Bilder malen. Sauerwein und die Kinder haben so gemeinsam Kunstwerke erstellt. Nicht im herkömmlichen Sinne. Es sind ja nur Bilder aus dem Kindergarten.

Rolf Werner Sauerwein schaukelt oft. Schaukelt zwischen seiner Kunst und seinen Erfahrungen, die ihm das Leben aufbürdet. Zwischen Glück und Angst. Mitglieder seiner Familie sind krank, er selbst von dieser unsäglichen Krankheit Krebs bedroht. Und was macht dieser Typ? Er malt, er schafft Skulpturen für den Frieden, gegen den Krieg. So ist er wohl, dieser Künstler. Und er ist leise, viel zu leise.

"Ich mach mal was..." so seine Aussage. Sauerwein macht dann "mal was". Eine Skulptur, ein Bild oder beide Sachen. Er macht mal. Wie immer. Auch auf einer Ausstellung in Berlin machte er nur. Er hat selber nicht ausgestellt. Er hat nur gemacht. Bilder aufgehängt; Leinwände gerichtet, nur gemacht, geholfen. Dieser Typ ist ein Macher, ein Künstler. Klar, er gehört auch in den Kindergarten, aber seine Kunst gehört in die Welt.

Weil er, wenn er nachdenkt, Bilder schafft und Skulpturen, die erschreckend sind. Kunstwerke. Er skulptiert Schreiende, er formt sie in Stahl und Gips, er macht. Sauerwein ist sicher ein besonderer unter den Künstlern. Er lebt sein Ding. Ohne Kompromisse, aber leise. Zu leise?

Aber dennoch laut genug, das ist sein Ding. Eine Künstlerin, die im KZ ihren Opa verloren hat, sagt zu einem seiner Werke: "...ich empfinde natürlich nichts Schönes, mag sein, dass es künstlerisch eine sehr gute Arbeit ist, aber das kann ich ausnahmsweise nicht sehen, da die anderen Gefühle dominieren, ich visualisiere sofort etwas Schreckliches dabei, eben alles, was sich hinter dem Tor mit dem schrecklichen Schriftzug abgespielt hatte, ich will nicht lange schauen, begutachten, ob der Rolf das gut oder nicht gut gemacht hat, ich denke eher sofort an meine Sekretärschublade, wo sich die Dokumente befinden und die Originalpapiere, die vielleicht viele zitternde, magere Hände berührt haben bei der Übergabe an den schrecklichen Aufseher, der das zur Zensur brachte, .....ja - das sind meine Gedanken. Ja, der Aufseher sollte so ein Bild lange betrachten und viel nachdenken, die Betroffenen schauten viel kürzer......

Sauerwein berührt die Menschen und sein Enkel Marco kann stolz auf seinen Opa sein.

Axel Flitsch

 

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