Start Kunst Literatur Musik Bühne Medien Leben Shop Kalender Kultur-Netzwerk Nachrichten
02.01.2010 21:14 Uhr
<< Zurück

Die „Zeit“ hat sich überholt: Weg damit!

Vor 20 Jahren, im Jahre 1989, ging die „Zeit" noch ihren gewohnten Gang. Da analysierte sie für uns fachkundig und seriös die deutsche Teilung und sagte nicht nur der Berliner Mauer eine lange Zukunft voraus. „Bild" konterte damals sofort mit einer gegenteiligen Prognose. Warum auch immer? Die Herrscher über die „Zeit" muss das allerdings nachhaltig beeindruckt haben - und sie versuchen nun offensichtlich mehr und mehr, der „Bild" Paroli zu bieten: Die Buchstaben auf der Titelseite haben mittlerweile eine ähnliche Größe erreicht. Mit der Jahresschlussausgabe vom 30. Dezember 2009 haben wir es gerade ganz aktuell erlebt - „Weg damit!"

Zur Wochenparole „Weg damit!" zählt die „Zeit" diverse und aus Sicht ihrer Gestalter schlimme Dinge und Haltungen auf. Über allem prangt ein Foto von Irans Präsidenten Ahmadinedchad - und gleich daneben ein halbnackter Frauen-Po. Den „Unterdrücker von Teheran" will die „Zeit" ebenso nicht mehr erleben wie „Frauen, die nur an das eine denken" ... Ist das nicht eine Verharmlosung des Diktators? Und was hat die „Zeit" gegen selbstbewusste, offensive junge Frauen? Wieso will die „Zeit" uns vorschreiben, was gut und schlecht ist? Hält sie ihre Leserinnen und Leser für unmündige Bürger?

Vielleicht hält die „Zeit" einfach nicht mehr Schritt mit der Zeit. Vielleicht hat die „Zeit" sich mittlerweile überholt und ist die Zeit der „Zeit" abgelaufen. Aber nein doch, man kann es selbstverständlich auch ganz anders sehen: Vielleicht besitzt die „Zeit" tatsächlich eine besondere seherische Kraft - und hat damals im Jahre 1989 auch mehr die aktuell viel zitierte „Mauer in den Köpfen" gemeint und dieser eine lange Zukunft vorausgesagt. Immerhin ist die „Zeit" sogar schneller als die Zeit, erschien die Ausgabe 1 / 2010 bereits am 30. Dezember 2009 ...

Auf jeden Fall wird die „Zeit" mit der Zeit vermeintlich rauer. Bereits in der als finale Nummer für 2009 deklarierten letzten Ausgabe räumte sie in der Rubrik „Zeit für Sachsen" einem Theaterintendanten fast eine ganze Seite ein, damit der in einem Gastbeitrag einen Kollegen scharf angreifen und bezüglich seiner Kompetenz negativ bewerten konnte. Nun sofort der nächste Streich mit einer sensationellen Titel-Headline. Bleibt die Hoffnung, dass der Mann auf dem Foto darüber nicht der neue Editor ist ...

H.G.

Kommentare

Newsletter abonnieren

Ihre EMail:
Ihr Vorname:
Ihr Nachname:

Freunden empfehlen

Diese Seite verlinken

Anzeige

Wettbewerb: Bild des Monats

Anzeige

Fotogalerien

Wettbewerb: Video des Monats

Kultur-Netzwerk Cafe