Lieder ohne Worte: Glemser führt mit Mendelssohn ins Reich der Sinne
Foto: Uta Süße-Krause
Sinnlicher kann Musik kaum sein. Mit seinen „Liedern ohne Worte" hat Felix Mendelssohn Bartholdy (3.2.1809-4.11.1847) außergewöhnliche Klaviermusik geschaffen, die leicht bekömmlich und zugleich höchst anregend ist. Sie führt direkt ins Reich der Sinne und stimmt zutiefst nachdenklich. Zumal dann, wenn ein Ausnahmepianist wie Bernd Glemser sie zelebriert.
Unmittelbar vor Abschluss der Leipziger Mendelssohn-Festtage 2009, den Maestro Kurt Masur persönlich mit einer Neuausgabe des Elias-Oratoriums am Wochenende gestalten wird, gab es im Gewandhaus nochmals einen Klavierabend der internationalen Spitzenklasse. Bernd Glemser hatte bereits in ganz jungen Jahren ein außergewöhnliches Renommee: 1989 wurde er zum jüngsten Professor in Deutschland berufen - obwohl er sein Studium an der Musikhochschule in Freiburg noch nicht ganz abgeschlossen hatte. Also fast so wie einst der große Philosoph Friedrich Nietzsche (15.10.1844-25.8.1900).
Zwei Jahre zuvor stellte Glemser zudem einen knapp 100 Jahre alten Rekord von 1890 ein, als er siebzehn (!) Wettbewerbe und Spezialpreise in Folge gewann. Bis heute kamen eine ganze Reihe großer Auszeichnungen hinzu, aber viel entscheidender dürfte der Genuss sein, den er mit deutlich sichtbarer Spielfreude dem hingerissenen Publikum bietet.
An diesem Abend im Gewandhaus im Rahmen der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy vereinte Bernd Glemser den Jubilar gekonnt mit jenem Meister, den die Welt als den „Piano-Man" feiert: Fryderyk Chopin (1.3.1810-17.10.1849), dessen 200. Geburtstag wie der von Robert Schumann (8.10.1810.-29.7.1856) im nächsten Jahr global gefeiert wird. Fast war es deshalb so, als solle hier symbolisch ein Staffelstab weitergereicht werden - und zugleich ein gewaltiges Fest der Klavierkunst angestimmt werden.
Doch konzentrieren wir uns noch einen Augenblick auf Felix Mendelssohn Bartholdy. Bernd Glemser zelebrierte an diesem Abend im Gewandhaus nicht nur zwei herausragende Größen der Musik in Hochgenuss, er unterstrich einmal mehr zudem, dass Mendelssohn auch im Bereich Piano absolut auf Augenhöhe steht mit den allergrößten Meistern dieser Gattung. Es war ein weiterer Glanzpunkt dieser einen ganzen Monat andauernden Festtage, die in überwältigender und mitreißender Weise die Weltklasse der Musik gleich dutzendweise in Leipzig versammelte, um dem „King of Classic" eine gebührende Aufwartung zu machen.
H.G.
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