Orient trifft Okzident: Gemeinsam kann sehr attraktiv sein – ein sinnlicher Ost-West-Dialog
Orient oder Okzident: Diese Rivalität bewegt beinahe seit Menschengedenken die Welt - und geht immer mehr Leuten zunehmend auf den Keks. Die Tänzerinnen Sabine Straßburg und Rosi Steinbrück setzen deshalb mehr auf Miteinander statt Gegeneinander. Das kann überaus ergiebig und zugleich höchst attraktiv sein. Anregende Einblicke dazu werden am 19. und 20. Dezember jeweils um 20 Uhr im „Spinnwerk" im Künstlerquartier der Leipziger Baumwollspinnerei geboten.
Im ersten Moment mag man an eine erquickliche Ergänzung denken zur „Dornröschen"-Aufführung im Centraltheater, zu dem das Spinnwerk gehört: Quasi „Schneeweißchen und Rosenrot" im orientalischen Look und bewegt von entsprechenden Klängen. Das wirkt bereits auf einem Foto verheißungsvoll. Und die Thematik dürfte sogar den auch stilistisch großartigen Historiker Heinrich August Winkler anregen, der im jüngst erschienenen ersten Band seiner spannend geschriebenen „Geschichte des Westens" Orient und Okzident zumindest indirekt aufeinanderprallen lässt.
Nicht nur nach Winkler liegen die Wurzeln des Westens im Osten. Rosi Steinbrück und Sabine Straßburg gehen aber mal einen ganz anderen Weg und wollen zeigen, dass eine Kombination beider Hemisphären in einer Art „Fruchtbarem Vollmond" münden könnte. „Aus Licht und Schatten" nennen sie ihre Performance, die Elemente des klassischen und experimentellen orientalischen Tanzes mit modernen, westlichen Tanzelementen kombiniert.
Mit Anmut und einem besonderen Maß an Körperbeherrschung wollen die beiden Tänzerinnen orientalischen Tanz auf hohem Niveau zeigen. Spielerisch soll zwischen beiden Kulturkreisen vermittelt werden: Die für den westlichen Tanz typischen raumgreifenden Bewegungen treffen auf die Binnenkörperlichkeit des orientalischen Tanzes und fließen ineinander über. Die Verwendung unterschiedlicher Tanzaccessoires - wie Schleier, Kerzen und Fächer - dient dem Spiel mit Stereotypen und wirbt zugleich auf sinnliche Weise für einen Dialog zwischen Ost und West.
Auch in der musikalischen Gestaltung des Abends findet sich diese Mischung wieder: Orientalische Melodien und Rhythmen treffen auf Kompositionen westlicher Musiker. Zeitgenössische Interpreten wie „Apocalyptica" und „Dead Can Dance" aber auch traditionelle, orientalische Musiker inspirieren die beiden Protagonistinnen zu einem sinnlichen Spiel der Gegensätze: Licht und Schatten, Traum und Wirklichkeit, Schein und Sein.
H.G.
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