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19.08.2009 12:44 Uhr
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Centraltheater Leipzig: Original statt Billigkopie

Kritiker sind nicht grundsätzlich böse, zuweilen wirken sie jedoch träge und oberflächlich. Vorsicht ist deshalb geboten und ebenso ein beherzter Wille, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das unterstreicht das Beispiel Sebastian Hartmann: Der junge Intendant des Leipziger Centraltheaters wird von der Kritik seit jeher als Billigkopie großer Vorbilder abgestempelt. Wer aber mal näher hinschaut und sorgfältig tiefer blickt, wird bald erkennen: Ganz klar ein Original.

Hartmanns Schicksal scheint dabei Leipzig zu sein: Hier wurde er geboren, hier gründete er Ende der 1990er Jahre sein aufbegehrendes „Wehrtheater Hartmann" - und hier übernahm er im letzten Jahr auch die erste Intendanz seiner immer noch jungen Karriere als Theatermacher.

Aus der Distanz beobachtet, wirkt Hartmann zuweilen nachdenklich, fast verschlossen sogar. Im Gespräch ist er direkt, emotional, aufmerksam und meist charmant. Er agiert mit offenem Visier und ungedeckt - und fängt damit manchen Treffer. Den kontert er dann auch mal rabiat, was ihm später leid tun und ihn lange beschäftigen kann.

Ein Mensch mit Ecken und Kanten, der lebt und absolut echt ist. Keinesfalls aber das viel beschworene Abziehbild. In Leipzig startete er mit einem Sturmangriff auf den Geschmack des alteingesessenen Publikums. Das reagierte zum Teil entsetzt und unterstellte sogleich eine Art Blutsbrüderschaft mit dem parallel und vermeintlich bitterbös kreuzenden „Fliegenden Holländer" in der Oper Leipzig.

Hartmann wurde für sie zum Theaterpirat, der ihnen ihr geliebtes Spielzeug abgenommen hat. Andere sahen das durchaus ähnlich, aber eher angelehnt an Klaus Störtebeker, den legendären Robin Hood der Meere, der den Verwöhnten nimmt - um den Hungrigen zu geben. Wie auch immer. Sebastian Hartmann hat gleich in seiner ersten Spielzeit als Intendant vielfach überrascht und mächtig für Furore gesorgt. Das weckt reichlich Vorfreude auf die neue Theatersaison.

H.G.

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