Der aus Mannheim stammende promovierte Jurist und Ex-Banker kennt sich nicht nur in der Betriebswirtschaftslehre bestens aus, sondern auch in Kunst und Kultur. In Frankfurt am Main studierte Volker Ballweg im Anschluss an eine erste Karriere in der Finanzwelt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Theaterkritik beim FAZ-Feuilletongranden Gerhard Stadelmaier, dem Hochmeister der konservativen Kritik - oder besser: einer Art Gottsched der Gegenwart.
Dr. Gerhard Stadelmaier, der 1979 über „Gotthold Ephraim Lessing auf der Bühne" promovierte und seit 1989 für das Theater bei der FAZ verantwortlich ist, verbindet eine Art Hassliebe mit Sebastian Hartmann. Ein spektakulärer Höhepunkt dieser besonderen Beziehung war die „Lawinky-Spiralblockaffäre" im Februar 2006, und für Stadelmaier muss es ein Trauma gewesen sein, als Hartmann im Sommer 2008 in der Theaterwiege Leipzig das Kommando übernahm.
Das hätte also doch die Welt und die Kultur-Szene nie für möglich gehalten, dass ein Intendant Sebastian Hartmann ausgerechnet einen diplomierten Stadelmaier-Schüler mal als Oberaufseher ins Haus holt. Und doch ist es geschehen. Aus gutem Grund: Dem Kurpfälzer Ballweg gelingt es nämlich in besonderer Weise, seine beiden Passionen zu vereinen - also die Betriebswirtschaft und die Kultur.
Wo andere versuchen, diese beiden vermeintlichen Kontrahenten gegeneinander auszuspielen, wirkt Volker Ballweg versöhnend. Das macht er schon seit Jahren mit kritischem Blick und badischer Akribie. Bei Gerhard Stadelmaier - aber auch vom renommierten Theater- und Kunstkritiker, Hochschulprofessor sowie langjährigen Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau und Mitbegründer des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, Peter Iden - hat er gelernt, wie anspruchsvolle Kunst aussieht, als Banker entdeckte er die Wege zu den schwarzen Zahlen. Ballweg hat aber auch schon für Kommunen als Kultur-Controller gewirkt, besitzt also Erfahrung aus allen Perspektiven.
Solche Asse sind rar. Und es spricht für Sebastian Hartmann, einen solchen Mann als Verwaltungsdirektor zu verpflichten. An der Bosestraße, Ecke Gottschedstraße in Leipzig - also dort, wo Lessing einst seinen Bühnenruhm begründete - geht künftig der „Jäger aus Kurpfalz" auf die Pirsch: im Sinnes des Theaters, des Publikums und auch der Stadt. Volker Ballweg sieht dabei im Kaufmann einen Diener der Kultur. So könnte es vielleicht gelingen, die Faktoren Kunst, Kunden und Kohle in eine bereichernde und stabile Dreiecksbeziehung zu führen. In Zeiten leerer Kassen und sinkender Qualitätsstandards ein hoffnungsvoller Zug.
H.G.