Karl-May-Festspiele: Rainald Grebe schließt Blutsbrüderschaft mit Winnetou und Old Shatterhand
Foto: R.Arnold/CT
Rainald Grebe scheint auf den Geschmack gekommen zu sein: Nach seinem Publikumserfolg „Klimarevue" schließt der erfolgreiche Liedermacher und Comedian nun Blutsbrüderschaft mit Winnetou und Old Shatterhand und stürmt gemeinsam mit den Helden seiner Kindheit und Jugend erneut die Bühne des Centraltheaters Leipzig. Mit den „Karl-May-Festspielen" huldigt er zugleich dem aus Sachsen stammenden Karl May (25.2.1842-30.3.1912), der zu den meistgelesenen Schriftstellern deutscher Sprache gehört. Dass Grebe einen besonderen Blick auf die Kultfiguren wirft und dabei angesichts von 20 Jahren „Wind of Change" auch das deutsch-deutsche Zusammenwachsen thematisieren könnte, sollte eingeplant werden. Mit Spannung darf vorab außerdem darüber spekuliert werden, in welche Rollen der markante Hagen Oechel und die stimmgewaltige Anita Vulesica schlüpfen. Die ersten vier Runden steigen am 16., 18., 21. und 30. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im Centraltheater Leipzig.
Frauen spielen in den Erzählungen und Abenteuern von Karl May eher eine untergeordnete Rolle, genießen dafür aber stets eine besondere Bedeutung, wenn sie zwischendurch auftauchen. Anita Vulesica steht deshalb auch ganz allein unter diversen Männern auf der Bühne. Aber immerhin ist es Anita Vulesica. Dieses leidenschaftliche und stimmgewaltige Energiebündel hat gleich im ersten Jahr ihres Leipziger Engagements die Herzen des Publikums im Sturm erobert und wurde anschließend auch wie selbstverständlich mit dem Leipziger Theaterpreis 2009 ausgezeichnet.
Rainald Grebe schätzt die überaus präsente Kollegin sehr, und deshalb hielt er auch die Laudatio bei der Verleihung des Theaterpreises. Die gebürtige Münchnerin hat kroatische Wurzeln und pendelte häufig zwischen den Welten, was sie zusätzlich für eine Mitwirkung an den Karl-May-Festspielen prädestiniert. Denn nicht nur Regisseur Grebe weiß aus schwelgenden Erinnerungen, dass die prächtigen bundesrepublikanischen Karl-May-Verfilmungen der 1960er Jahre ihren Glanz auch aus den Reizen kroatischer Landschaften zogen - wo aber auch die DEFA-Indianer ihre Kriegsbeile aus- und wieder eingruben, um dann ein leckeres Friedenspfeifchen zu rauchen.
Weil Karl May aber vor allem ein Pazifist und Versöhner der Kulturen war, bringt Rainald Grebe in seiner Inszenierung unter anderem und quasi nach einem halben Jahrhundert endlich auch die so ähnlich gesinnten Oberindianer Pierre Brice und Gojko Mitic zusammen. Der französische Fallschirmjäger und Dressman Piere Brice zog jahrelang gemeinsam mit dem blonden Hünen Lex Barker ins Feld, während der serbische Sportstudent Gojko Mitic für die DEFA nicht minder gekonnt die Muskeln spielen ließ.
Nicht die einzige ungewöhnliche Etappe einer Rundreise in die Vergangenheit, auf der Rainald Grebe das Publikum schließlich zurück in die Gegenwart führen will. In guter oder böser alter Theatertradition wird dieser Trip kaum verlaufen, denn Pfadfinder Grebe verlässt gern eingetretene Pfade und raschelt dabei tüchtig im Gebüsch. Darauf darf man sich freuen - und zugleich vorab rätseln, wer denn in die Rolle von Old Shatterhand bzw. Kara Ben Nemsi, das andere Ich von Karl May, schlüpft. Holger Stockhaus? Ja, der müsste es eigentlich tun. Oder halt: Manuel Harder käme auch in Frage ... Ganz klar, der Ex-Dortmunder hat auf jeden Fall das Zeug dazu.
H.G.
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