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26.08.2009 21:21 Uhr
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Theater-Bundesliga: Klarheit und Qualität

Klar, eine Theater-Bundesliga für den deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Noch nicht jedenfalls. Doch allein schon ein Blick zum jährlichen Theatertreffen nach Berlin zeigt deutlich, dass die Gründung einer Theater-Bundesliga längst überfällig ist und manche Vorteile bringen könnte.

Beim jüngsten Branchentreffen in Berlin war es ein mutiger Kritiker, der deutliche Worte sprach: Provinz bliebe eben Provinz, war da zu vernehmen. Die Macher aus der Provinz könnten tun, was sie auch wollten - völlig egal, denn Provinz werde von den Großen und Mächtigen nicht wahrgenommen. Sie fände höchstens am Rande statt.

Ein Versuch, die ständige Kritik ein wenig zu verstehen und zu kontern, am Theatertreffen würden stets nur die gleichen Häuser und Akteure ausgezeichnet und gefeiert. Im Ergebnis zugleich eine Untermauerung des Eindrucks von Trägheit, Ignoranz, Selbstgefälligkeit, Willkür und Vetternwirtschaft.

Allein im Theater-Wunderland BRD gibt es einige hundert Spielstätten. Die kann man kaum alle permanent im Blick haben. Schon gar nicht, wenn sich die Sicht auf den gesamten deutschsprachigen Raum weitet. Da kann man schnell vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennen. Bei dieser Gelegenheit sitzen Kritiker und Publikum wahrscheinlich ausnahmsweise sogar mal im gleichen Boot.

Ob nun aber perfekt dargebotenes Schauspiel im wunderbaren Wiener Burgtheater oder eine weniger hochklassig zelebrierte Laienaufführung einer maximal nebenberuflich tätigen Improvisationsgruppe: Beides kann das Publikum unterhalten, inspirieren und begeistern. Kategorien sind da zweitrangig - und trotzdem hilfreich für alle Beteiligten.

Das Publikum kann sich leichter und gezielter am Angebot orientieren, Kritiker können ihre Spezialisierungen aufrichtiger und glaubwürdiger benennen, Häuser und Akteure können nachvollziehbar für alle und leicht ihren besonderen Stellenwert kommunizieren. Voraussetzung hierfür sind klare und transparente Kriterien.

Mit der Einführung einer beispielsweise 20 Spielstätten umfassenden Theater-Bundesliga für den deutschsprachigen Raum ließen sich solche Kriterien aufstellen und entwickeln. Dabei ließe sich auf Erfahrungen anderer aufbauen: So könnte zum Beispiel ein Mindestetat als ein Messwert eingeführt werden. Weitere Standards könnten Zuschauer-Fassungsvermögen und Ausstattung der Häuser, Serviceleistungen der Spielstätten, Aufführungsthemen, Angebotsmix, Höhe des Publikumszuspruchs oder der Marktwert der Akteure sein.

Fürs erste sei hier in Abstimmung mit Fachleuten und aktiven Besuchern mal ein 20 Spielstätten umfassendes Teilnehmerfeld für eine Theater-Bundesliga für den deutschsprachigen Raum aufgestellt: Da ist an erster Stelle das Burgtheater Wien zu nennen, quasi der Titelfavorit. Aus der Schweiz darf das Schauspielhaus Zürich nicht fehlen. Die Hochburg Berlin könnte etwa mit dem Deutschen Theater, dem Berliner Ensemble, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und dem Maxim-Gorki-Theater gleich vierfach vertreten sein.

Aus Hamburg dürfen das Deutsche Schauspielhaus und das Thalia Theater nicht fehlen, München könnte das Bayerische Staatsschauspiel und die Kammerspiele ins Rennen schicken. Wären insgesamt schon zehn Häuser, also die halbe Theater-Bundesliga. Dazu dann das Bochumer Schauspielhaus, Düsseldorf, Köln, Staatstheater Stuttgart, Nationaltheater Mannheim, Frankfurt / Main.

Außerdem vielleicht das Dresdner Staatsschauspiel und Hannover. Komplettiert durch die „Aufsteiger" Centraltheater Leipzig und Südthüringisches Staatstheater Meiningen, die schon als herausragende Wiegen des großen deutschsprachigen Theaters nicht fehlen sollten. Fehlen selbstverständlich einige große Namen - aber das Limit 20 ist bereits erreicht.

Wie dann während der Saison die Spielzeiten miteinander vergleichbar werden, ließe sich wie bei den Teilnahme-Standards ebenfalls über klare und transparente Kriterien regeln, die sich leicht auch der breiten Masse erschließen müssen. Wie soll das möglich sein? Da sind die Experten noch gefordert. Gleiches gilt für eine eventuelle „Auf- und Abstiegsregelung" und dazu die Etablierung einer 2. Bundesliga.

Festzuhalten bleibt: Es muss nicht zwingend Bundesliga sein, um ein gutes Spiel zu erleben. Diese Erfahrung und Erkenntnis lässt sich in fast allen Schwerpunkten jederzeit leicht nachvollziehen. Doch die Bundesliga hat in bislang allen Fällen zu einer Anhebung des Niveaus und des Publikumzuspruchs gesorgt. Das sollte also auch in der scheinbar endlosen und weitgehend unübersichtlichen Theaterlandschaft möglich sein. Wir bleiben hier am Ball, im Sinne von Klarheit und Qualität.

H.G.

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