KunstLiteraturMusikBühneMedienLebenKalenderKultur-NetzwerkNachrichten
TheaterOper/OperetteComedy/KleinkunstTanztheater/BallettMusicalKino/FilmPortraitsOrteRezensionenVeranstaltungen
24.05.2010 00:04 Uhr

ÜBER LEBEN IM UMBRUCH

Das Forum ÜBER LEBEN IM UMBRUCH am Maxim Gorki Theater Berlin zieht öffentlich Bilanz der wissenschaftlichen Forschungen und künstlerischen Recherchen in Wittenberge und schlägt den Bogen hinaus in die Welt. In einer Verbindung aus Konferenz und Theaterspektakel testen Kunst und Wissenschaft die Bilder und Begriffe, um den sozialen Wandel in Europa zu veranschaulichen.

Fragmentierung und ambivalente Gemeinschaften stehen für die unmittelbare Erfahrung von Globalisierungsfolgen, die wir bislang vor allem jenseits der europäischen Grenzen verorteten. Am Beispiel einer Kleinstadt unweit der Metropolen Hamburg und Berlin ging das Kooperationsprojekt ÜBER LEBEN IM UMBRUCH über einen Zeitraum von drei Jahren den Überlebenskonstellationen nach dem Ende der Wohlfahrtsgesellschaft in Deutschland nach. Gemeinsam untersuchten dabei Sozialwissenschaftler und Theaterautoren Fragen nach der Dynamik von Niedergang und Wiederaufrichtung, nach sozialem und Überlebenskapital, nach Integration und Exklusion. Denn deutlich wird (nicht nur im brandenburgischen Wittenberge): Die Spannungen wachsen - zwischen denen, die bleiben müssen, und denen, die wiederkommen dürfen; zwischen den Anführern und der Gefolgschaft; zwischen denen, die in der Vergangenheit ihre Zukunft sehen, und denen, die weder Vergangenheit noch Zukunft sehen.

Für drei Tage im Juni lädt das Maxim Gorki Theater Berlin zu einer öffentlichen Diskussion über die Zukunft unserer Gesellschaft ein. Mit den Uraufführungsinszenierungen IM RÜCKEN DIE STADT, WE ARE BLOOD, DIE ÜBERFLÜSSIGEN und FIEBER, mit dem ARCHIV DES UMBRUCHS, mit Vorträgen, wissenschaftlichen Workshops, Gesprächsrunden, Dokumentarfilmen und Installationen.


Donnerstag, 03.06.2010
18:00 Uhr Maxim Gorki Theater, Eintritt frei
ÜBUNGEN IM ÜBERLEBEN. ÜBER DIE KUNST DAVONZUKOMMEN Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Heinz Bude

19:30 Uhr, Maxim Gorki Theater
HEAVEN (zu tristan) with English surtitles
Fritz Kater
Liebestod in Wolfen: Simone liebt Anders. Doch wie einst Tristan seine Heimat Cornwall, verlässt der Architekturstudent Anders Wolfen die Stadt der gemeinsamen Kindheit. Er bricht auf nach Amerika. Simone bleibt in der ostdeutschen Provinz zurück. Helga liebt ihren Mann, den Psychiater Königsforst, und das schon seit mehr als zwanzig Jahren. Doch auch sie werden Wolfen verlassen. Seit die Filmfabrik geschlossen wurde, gibt es für die Laborantin keine Arbeit mehr. Gerade noch haben sie gespielt, "Sterne am Himmel des anderen" zu sein. Jetzt wird ihr Neubaublock abgerissen. Zurück bleiben die Reste und die Raben. "Erleben wir uns als in die Welt geschleudert oder als Teil eines Ganzen?" Wie Marietta Blau, die einst dank der Entwicklung einer speziellen Filmemulsion die sternenförmig auseinander fliegenden Teilchen einer Kernzertrümmerung sichtbar machte, beschreibt Fritz Kater mit "Heaven" die Zertrümmerung einer Lebenslandschaft und zeigt deren Folgen. Kater führt seine Figuren vom Paradies durch das Fegefeuer in die gegenwärtige Hölle des deutschen Ostens.

20:00 Uhr, Gorki Studio, Eintritt frei
DIE STIMME DER STADT Statement von Julia Gabler
Mit wessen Stimme spricht die Stadt? Wer kommt zu Wort und wer bleibt stumm? Ist die Stimme einer schrumpfenden Stadt voller Klage über die schmerzenden Wunden, voller Angst, vor dem was kommen mag, voller Hoffnung oder Trotz? Zum Auftakt der Premiere von Juliane Kanns Stück FIEBER, das im Rahmen von ÜBER LEBEN IM UMBRUCH entstand und eine therapiebedürftige Stadt zur Protagonistin hat, wird die Soziologin Julia Gabler in einem kurzen Statement den Stimmen einer Stadt das Wort erteilen. Julia Gabler - Soziologin, freie Autorin, im Auftrag des Forschungsverbundes "'Social Capital' im Umbruch europäischer Gesellschaften" initiierte und koordinierte sie den Dialog zwischen Vertretern und Akteuren zweier Städte im Umbruch: dem brandenburgischen Wittenberge und dem pfälzischen Pirmasens.

Premiere/Uraufführung um 20.15 Uhr, Gorki Studio
FIEBER

Juliane Kann
Diese Stadt in der Prärie hat Fieber. Von allen guten Ärzten verlassen beschließt sie, sich selbst zu therapieren. Denn "Menschen bilden eine Stadt bildet Menschen bilden eine Stadt": Es liegt an Ramon und Mimi, an Sabine und Jan, an Robert und Ricarda wohin die Fieberkurve der Stadt führt. Es liegt an der Stadt, ob die Menschen, die sie bilden, gehen oder bleiben. Im Innern der Stadt gerät etwas in Bewegung. Bewegung erzeugt Reibung, erzeugt Wärme, wo Fieber ist, wird gelebt. Die Stadt geht den Verletzungen nach und begegnet Krankheitsgeschichten, die Lebens- und Liebesgeschichten sind. Die Autorin Juliane Kann verarbeitet in ihrem Text Ergebnisse der wissenschaftlichen Feldforschung und verbindet dieses Material mit frei erfundenen Geschichten und den Bildern eigener Erfahrung; Juliane Kann stammt selbst aus der Region, Wittenberge ist für sie ein Stück verloren gegangener Heimat.

22:30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Eintritt frei
ÜBERLEBENSLANDSCHAFTEN Podiumsgespräch mit Armin Petras, Andreas Willisch, u.a. Armin Petras, Intendant des MGT Berlin und Regisseur der Stücke HEAVEN (zu tristan) und WE ARE BLOOD von Fritz Kater, und Andreas Willisch, Leiter des Thünen-Instituts Bollewick und Koordinator des Forschungsverbundes "'Social Capital' im Umbruch europäischer Gesellschaften" geben Auskunft über die Interaktion von Wissenschaft und Theater im Kooperationsprojekt ÜBER LEBEN IM UMBRUCH und den darin unternommenen Versuch, auf der Bühne und im sozialwissenschaftlichen Diskurs zwei komplementäre, einander kommentierende Beschreibungen einer gesellschaftlichen Umbruchsituation zu erarbeiten.

Freitag, 04. 06. 2010
09:30 - 12:30 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin
KONFERENZ: ÜBERLEBEN UND UMBRUCH
In einer Zeit experimenteller Unübersichtlichkeit tritt an die Stelle erwartbaren Wohlstands die Unsicherheit alltäglichen Überlebens. Was ist so relevant, dass es unter keinen Umständen untergehen darf? Wie sieht das Soziale einer Überlebensgesellschaft aus? Was sind die Ressourcen des Überlebens? Wer findet welchen Weg durch die Zeit? Die Konferenz ÜBERLEBEN UND UMBRUCH schlägt die Brücke zu den Umbrüchen in der Welt, richtet den Blick zurück nach Wittenberge und thematisiert "Überleben" als einen Schlüsselbegriff.

16:45 Uhr, Gorki Studio, Eintritt frei
SORGE UND SORGFALT Statement von Anna Eckert
In Lebenssituationen, die von Langzeiterwerbslosigkeit und der Perpetuierung prekärer Beschäftigungsverhältnisse geprägt sind, werden Alltagsbewältigung und Sorge um sich zu einer besonderen Herausforderung, die dem Einzelnen ein enormes Maß an Sorgfalt und Planung abverlangt. Optimierungsstrategien mit Ursprung in einer Arbeitswelt, der man nicht mehr anzugehören scheint, werden dabei den persönlichen Anforderungen entsprechend umgedeutet und in die Sphäre des Privaten integriert.

18:00 Uhr, Maxim Gorki Theater, Eintritt frei
DIE KREATIVITÄT DES ALLTAGS. AUF DER BÜHNE Vortrag von Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner (Konstanz)

19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater
WE ARE BLOOD

Fritz Kater
Sommer 1985: Zwei Männer und zwei Frauen in einer idyllischen Landschaft. Der stellvertretende Minister macht Tim ein verlockendes Angebot, was für ihn zwei bis drei Jahre Arbeit auf einer fernen Baustelle bedeutet. Doch was wird aus seiner schwangeren Freundin Yves und deren Wunsch Journalistik zu studieren? Und was aus Susan, die zwar mit dem Minister liiert ist, aber davon träumt, als Architektin Häuser zu entwerfen? Zwei Jahrzehnte später in derselben Gegend: Yves pflegt in einem Krankenhaus den krebskranken Justin und den bei einem Unfall schwer verletzten Beni. Justins Vater scheitert daran, seine Frau zurückzuerobern und versucht Yves für sich zu gewinnen. Der Chefarzt Zwerenz erklärt zwar jedes neurologische Phänomen, beantwortet aber nicht Justins Fragen nach dem Leben. Und Benis erfolgreiche Schwester Lisa kehrt nach Hause zurück, um für ihren Bruder da zu sein, kann sich aber nicht zwischen Tom und Rafael entscheiden, die nicht nur hier Konkurrenten sind: Bauingenieur Tom plant im "am schnellsten wachsenden Regionalzentrum nördlich von Berlin" ein gigantisches Feriendorf für Kranichtouristen. Nach dem Autobahnbau muss es in der Gegend weiter vorangehen. Rafael kämpft mit allen Mitteln gegen den Ausverkauf dieser einzigartigen Biosphärenlandschaft. Der Aderlass von Mensch und Natur in seiner Heimat muss gestoppt werden. Denn längst schlägt die Natur zurück: ÜberLeben in Nordbrandenburg.

Nach "Heaven (zu tristan)" untersucht Fritz Kater in seinem neuen Theaterstück die realen Zukunftschancen einer Region und stellt die fatale Alternativsetzung zwischen Bewahrung der Landschaft und ihrer ökonomischen Nutzbarkeit in Frage. Der zur angeblichen Rettung einer Region nötige Eingriff in das ökologische System gleicht dem chirurgischen Eingriff in das System des menschlichen Körpers und fordert Subsidiarität und Widerstand heraus. Dabei begibt sich Fritz Kater mit seiner Figur des Neurologen Zwerenz in den Bereich der Ursachenforschung, fokussiert seine dramatische Erzählung im Rahmen einer öffentlichen Anhörung und lässt die Interessenskonflikte zwischen Investoren und Naturschützern in direkter Konfrontation unversöhnlich aufeinanderprallen.

21:30 Uhr, Gorki Studio
IN DER NACHT KAMEN MIR IMMER DIE IDEEN GEFLOGEN... ARCHIV DES UMBRUCHS. Eine dokumentarische Recherche.
Seit Januar 2009 arbeiten Anja Mayer und Andreas Kebelmann (Agentur Kriwomasow) in Wittenberge an einem ARCHIV DES UMBRUCHS zur vorsorglichen Aufbewahrung historisch gewordener Erfahrungen und Kulturtechniken. Den Bestand dieses Archivs bilden Erzählungen Wittenberger Bürger zu charakteristischen Bereichen der Alltags- und Arbeitspraxis in der ehemaligen Industriestadt: Nähen, Kleingarten, Eisenbahn und Hafen. In Kooperation mit dem Forschungsverbund "'Social Capital' im Umbruch europäischer Gesellschaften" und Wittenberger Bildungs- und Sozialeinrichtungen wurden Projekte entwickelt, die an altes, scheinbar nutzlos gewordenen Wissen mit neuen Fragen anknüpfen. Das ARCHIV DES UMBRUCHS erschließt Techniken wie Nähen und Kleingartenbewirtschaftung oder Orte wie den Elbhafen in ihrer biografischen Bedeutung und fragt nach ihrer einstigen und künftigen sozialen Funktion.

Samstag, 05.06.2010
12:00 - 15:00 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin
KONFERENZ: ÜBERLEBEN UND UMBRUCH

15:00 Uhr, Gorki Studio, Eintritt frei
MONOLOGE Statement von Susanne Lantermann
Vor der Aufführung von Philipp Löhles Stück DIE ÜBERFLÜSSIGEN, das im Rahmen von ÜBER LEBEN IM UMBRUCH entstand, wird die Sozialwissenschaftlerin Susanne Lantermann in einem kurzen Statement eine ausgewählte Frage, These oder Beobachtung aus dem Kontext ihrer Feldforschung in Wittenberge vorstellen.

15:30 Uhr, Gorki Studio
DIE ÜBERFLÜSSIGEN

Philipp Löhle
Das große Spiel unserer Gesellschaft: Gewinner und Verlierer teilen sich das Spielfeld. Aber dann gibt es eben noch den Rand des Spielfelds und das, was dahinter liegt. Eine graue, unbestimmte Masse von Spielern, die erst gar nicht ins Spiel gekommen sind, die in einer Nische ein unbeachtetes Dasein fristen, ausgeschlossen sind. Wie die Bewohner von Lükke, die keinerlei Versuch unternehmen, am Spiel teilzunehmen. Als Eddie nach Lükke zurückkehrt, um seine Eltern zu beerdigen, erkennt er, vom Stadtleben gehetzt, das Potential des Nichts in dem verfallenen und vergessenen Lükke. Eddie unternimmt alles, um einen Umbruch herbeizuführen. Doch die Bewohner weigern sich. Sie wollen keine Touristen. Resignation, Bequemlichkeit oder Stolz? Eddie kämpft bis zur Verzweiflung. Die Überflüssigen werden zahlreicher und sie wissen um ihre Überflüssigkeit: Denn wer am Spielfeldrand steht, darf zwar nicht mitspielen, kann dafür aber jederzeit vom Spielfeld davonlaufen.

Philipp Löhle ist in dieser Spielzeit Hausautor am MGT Berlin. In der Verarbeitung der Forschungsergebnisse entschied er sich für ein Genre zwischen Farce und tragischer Komödie.

17:30 Uhr, Brinkmannzimmer
REPORTAGEN AUS WITTENBERGE Hörinstallation
Eine Frau, die täglich um viertel nach vier Uhr morgens das Haus verlässt, um eine Handvoll Tageszeitungen zu ihren Lesern zu bringen. Ein junger Mann, den seine bloße Anwesenheit in der Stadt zum Fremdkörper macht. Ein Brummifahrer, dem auf seinen Touren von Deutschland nach Polen und zurück die Fahrerkabine das Wohnzimmer und das Foto am Rückspiegel die Familie ersetzen. Ein findiger Kleinunternehmer mit einem ungewöhnlichen Dienstleistungsportfolio. Ein rumänischer "Wurstkönig", der sich eine ganze Stadt kaufen will. - Sie alle sind Protagonisten eines bis in alle Bereiche des zwischenmenschlichen Zusammenlebens hineinwirkenden gesellschaftlichen Umbruchs.

Mehrere Monate bis anderthalb Jahre haben die Sozialwissenschaftler des Forschungsverbundes "'Social Capital' im Umbruch europäischer Gesellschaften" im brandenburgischen Wittenberge gelebt und gearbeitet. Sie haben dort nicht nur empirische Daten und Befunde erhoben, sondern in der täglichen Begegnung mit der Stadt und ihren Bewohnern ganz direkte Alltagserfahrungen gemacht, die mit der Sprache des sozialwissenschaftlichen Diskurses kaum zu erfassen sind. Zur Beschreibung dieser subjektiven Eindrücke haben sie daher das Medium der Reportage gewählt. Während des Theaterspektakels ÜBER LEBEN IM UMBRUCH wird eine Auswahl dieser Texte -gesprochen von Schauspielerinnen und Schauspielern des Gorki-Ensembles - in einer Hörinstallation im Brinkmann-Zimmer des MGT Berlin präsentiert.

19:30 Uhr, Maxim Gorki Theater
DER BESUCH DER ALTEN DAME
Friedrich Dürrenmatt
Güllen ist hoch verschuldet. Die Fabriken, die das Städtchen einmal reich gemacht haben, sind seit langem geschlossen. Nun klammern sich seine Bewohner verzweifelt an die letzte große Hoffnung: den Besuch von Claire Zachanassian, die in ihrer Jugend selbst in Güllen lebte und durch das Erbe ihres ersten Mannes, eines armenischen Ölscheichs, zur Milliardärin avanciert ist. Ihre Jugendliebe Alfred Ill soll die alte Dame bei ihrem Besuch begleiten, unterhalten und in Spendierlaune bringen. Daran, dass der junge Ill seine "Kläri", als diese von ihm schwanger wurde, verlassen und sie durch eine Falschaussage der gesellschaftlichen Ächtung ausgesetzt hatte, scheint sich niemand mehr zu erinnern. Nur Claire Zachanassian selbst hat die Schmach nicht vergessen. Sie knüpft an die Aussicht einer Millionenspende die Forderung nach der Hinrichtung von Alfred und reißt damit die Güllener in den Konflikt zwischen moralischen Ansprüchen und finanziellen Verlockungen. Friedrich Dürrenmatts Parabel ist ein dramatischer Laborversuch über die Haltbarkeit moralischer Grundsätze. Das Leben des Einzelnen steht der Ökonomie der Gruppe gegenüber. In diesem Spannungsfeld vergeht Zeit, passiert Geschichte, wird Politik realisiert.

21:00 Uhr, Gorki Studio, Eintritt frei
DIE STADTMACHER Statement von Inga Haese
Als Auftakt zur Aufführung vom Thomas Freyers Stück IM RÜCKEN DIE STADT, das im Rahmen von ÜBER LEBEN IM UMBRUCH entstand, wird die Soziologin Inga Haese in einem kurzen Statement eine ausgewählte Frage, These oder Beobachtung aus dem Kontext ihrer Feldforschung in Wittenberge vorstellen.

21:30 Uhr, Gorki Studio
IM RÜCKEN DIE STADT

Thomas Freyer
"ich glaub nicht, dass es dort keine perspektive mehr geben soll. es gibt doch die geschichten der alten, der jungen, die dort leben. und die haben doch wünsche und irgendwo ein glück. und das ist auch nicht nur ein aushalten von lebenszeit. das ist doch eine suche. und da will ich mich reinschreiben." Welche Lebenspläne existieren an den Orten, wo es keine Arbeit und keine Zukunft mehr zu geben scheint? Wittenberge, Bochum, Chemnitz. Wer redet von den Leerstellen und Verlusten und wer lehnt sich dagegen auf? Wie bewegen sich die Generationen aus- und zueinander und welche Möglichkeiten gibt es für den Einzelnen, für die Familie oder eine kleine Gemeinschaft, die Ökonomie des eigenen Lebens neu zu erfinden? Thomas Freyer hat sich mit der ihm eigenen Sprache an den Beobachtungen einer Überlebenslandschaft beteiligt. Sein Stück erzählt von unterschiedlichen Vorstellungen über den Wert von Arbeit und Freiheit, über das Ausharren und Aushalten sowie über die Sehnsucht nach einem Ausstieg.

MAXIM GORKI THEATER BERLIN, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin, http://www.gorki.de

24.05.2010 Bernhard Wiesbeck

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Weitere Artikel

Atempause "Augenblick, bleib stehen, denn du bist schön!" Unter diesem Motto aus dem Stück „Atempause" laden Beate Sarrazin und Ihre Gäste - Reina Ilona Vildebrand, Jürgen Thein, Renee Fox, Annika Stieglitz, Petra Speh - zu einem Schauspiel - / Leseperformance Abend am 29.05.2010 im familiären Rahmen des Wohnzimmertheaters „Theater Anderswo" ein. Eine interessante und abwechslungsreiche Begegnung zwischen Künstlern und Publikum ist das Ziel.
[mehr]
Die Legende vom Ozeanpianisten Seine Kollegen sind alle auf Landgang, als der Matrose Danny Boodmann eines Morgens im luxuriösen Ballsaal des Ozeandampfers „Virginian" einen Pappkarton entdeckt. Darin ein ausgesetztes Baby. Noch ahnt keiner, welch seltsames Schicksal dieses Findelkind haben wird, dem die Seeleute den Namen seines Geburtsjahres geben: Novecento, 1900. [mehr]
Schrottengel Mal ehrlich, was ist eigentlich normal? Haare zu verbrennen, damit die Ex wieder zurück kommt? Sex mit dem Staubsauger zu haben? Frauenkleider anzuziehen, um sich in die Gattin hineinzuversetzen? Nachts in der Telefonzelle vor dem Haus anzurufen, wenn da gerade ein gut aussehender Typ vorbei geht? [mehr]

Bookmarks


Hinzufügen bei  Blogmarks Hinzufügen bei  Del.icio.us Hinzufügen bei  digg Hinzufügen bei  Faves Hinzufügen bei  FriendSite Hinzufügen bei  Google Bookmarks Hinzufügen bei  Technorati Hinzufügen bei  Yahoo My Web Webnews

Diese Seite verlinken

Anzeige

Wettbewerb: Bild des Monats August 2011

Seite des Tages

Wettbewerb: Video des Monats

Kultur-Netzwerk:

Twitter/Facebook

Kulturnetzwerk-Cafe

Fotogalerien